Urteilskopf

141 II 161

11. Auszug aus dem Urteil der II. öffentlich-rechtlichen Abteilung i.S. Staat
Zürich gegen A. (Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten)
2C_798/2014 vom 21. Februar 2015

Regeste (de):

Die Beschwerdebefugnis des Gemeinwesens nach Art. 89 Abs. 1 BGG. Gestützt auf
die allgemeine Legitimationsklausel sind Gemeinwesen nur restriktiv zur
Beschwerdeführung zuzulassen (E. 2.1). Besondere Zurückhaltung ist geboten,
wenn sich Organe desselben Gemeinwesens gegenüberstehen, namentlich die
kantonalen Exekutivbehörden und das kantonale Verwaltungsgericht (E. 2.2).
Geht es um Entscheide mit finanziellen Auswirkungen, genügt zur Begründung des
allgemeinen Beschwerderechts nicht jedes beliebige, mit der Erfüllung einer
öffentlichen Aufgabe direkt oder indirekt verbundene finanzielle Interesse.
Bejaht wird die Legitimation dann, wenn die streitigen finanziellen Leistungen
eine beträchtliche Höhe erreichen und die Beantwortung der Streitfrage eine
über den Einzelfall hinausgehende präjudizielle Wirkung für die öffentliche
Aufgabenerfüllung mit insgesamt wesentlicher finanzieller Belastung hat, aber
verneint, wenn es einzig um die finanziellen Folgen der Verwaltungstätigkeit
geht, welche das Gemeinwesen in seiner Stellung als hoheitlich verfügende
Behörde treffen (E. 2.3). Anwendung dieser Grundsätze im konkreten Fall (E.
2.4).

Regeste (fr):

Qualité pour recourir d'une collectivité publique selon l'art. 89 al. 1 LTF.
La qualité pour recourir d'une collectivité publique fondée sur la clause
générale ne doit être admise que de manière restrictive (consid. 2.1). Il
convient de faire preuve d'une retenue particulière lorsque s'opposent des
organes d'une même collectivité publique, en l'occurrence les autorités
exécutives cantonales et le tribunal administratif cantonal (consid. 2.2). En
cas de décisions ayant des répercussions financières, n'importe quel intérêt
financier de la collectivité publique découlant directement ou indirectement
de l'exécution d'une tâche publique ne suffit pas pour fonder un droit de
recours sur la base de la clause générale. La qualité pour recourir est admise
lorsque les prétentions financières litigieuses atteignent un montant
considérable et que la question juridique en cause a une valeur de précédent
pour l'exécution d'une tâche publique avec une répercussion financière
importante qui dépasse le cas particulier; la qualité pour recourir est en
revanche déniée lorsque seules sont en cause les conséquences financières de
l'activité administrative, qui touchent la collectivité publique en sa qualité
d'autorité détentrice de la puissance publique (consid. 2.3). Application de
ces principes au cas concret (consid. 2.4).

Regesto (it):

Legittimazione a ricorrere della collettività pubblica ai sensi dell'art. 89
cpv. 1 LTF. La legittimazione a ricorrere di una collettività pubblica in base
alla clausola generale dev'essere ammessa solo in modo restrittivo (consid.
2.1). Si deve fare prova di particolare riserbo quando sono opposti organi
della medesima collettività pubblica, segnatamente le autorità esecutive
cantonali e il tribunale amministrativo cantonale (consid. 2.2). Trattandosi
di decisioni con ripercussioni finanziarie, qualsiasi interesse finanziario
della collettività pubblica che scaturisce direttamente o indirettamente
dall'esecuzione di un compito pubblico non è sufficiente per ammettere la
legittimazione ricorsuale in base alla clausola generale. La legittimazione a
ricorrere è riconosciuta quando le pretese finanziarie litigiose raggiungono
una somma considerevole e il quesito giuridico da risolvere ha valore
pregiudiziale per l'esecuzione di un compito pubblico implicante un carico
finanziario importante che supera il caso particolare; è invece negata quando
sono unicamente contestate le conseguenze finanziarie dell'attività
amministrativa, le quali toccano la collettività pubblica nella sua veste di
detentrice del pubblico potere (consid. 2.3). Applicazione di questi principi
nel caso concreto (consid. 2.4).

Sachverhalt ab Seite 163

BGE 141 II 161 S. 163

A. A., geb. 1987, absolvierte von Dezember 2011 bis Juli 2013 eine
Zweitausbildung zur Betreuungsfachfrau. Ende November 2011 stellte sie beim
Amt für Jugend und Berufsberatung (AJB) des Kantons Zürich ein Gesuch um
Ausbildungsbeiträge für das Ausbildungsjahr 2011/2012. Das Amt hiess das
Gesuch gut und richtete A. Stipendien in der Höhe von Fr. 5'541.- aus. Am 21.
August 2012 stellte A. betreffend Ausrichtung von Stipendien für das Jahr
2012/2013 ein Wiederholungsgesuch. Dieses wies das Amt für Jugend und
Berufsberatung mit Verfügung vom 14. Februar 2013 und Einspracheentscheid vom
25. April 2013 ab, weil es aufgrund des gestiegenen Einkommens und Vermögens
der Eltern einen höheren Elternbeitrag anrechnete. Ein Rekurs an die
Bildungsdirektion wurde am 13. Februar 2014 ebenfalls abgewiesen.

B. A. erhob gegen den Direktionsentscheid Beschwerde an das Verwaltungsgericht
des Kantons Zürich. Dieses hiess mit Urteil vom 18. Juli 2014 die Beschwerde
gut und verpflichtete das Amt für Jugend und Berufsberatung, an A. Fr. 5'700.-
zu bezahlen.

C. Der Kanton Zürich, vertreten durch die Bildungsdirektion, erhebt mit
Eingabe vom 11. September 2014 beim Bundesgericht Beschwerde in
öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten mit dem Antrag, in Aufhebung des
angefochtenen Urteils seien die Verfügung und der Einspracheentscheid des AJB
sowie der Rekursentscheid der Bildungsdirektion zu bestätigen und es sei
festzustellen, dass A. für das Jahr 2012/2013 keinen Anspruch auf Stipendien
habe. (...)
Das Bundesgericht tritt auf die Beschwerde nicht ein.
(Auszug)

Erwägungen

Aus den Erwägungen:

2. Zu prüfen ist die Legitimation des Beschwerdeführers. Dieser beruft sich zu
Recht nicht auf einen Legitimationsgrund nach Art. 89 Abs. 2 BGG. Er macht
aber geltend, er sei nach Art. 89 Abs. 1 BGG zur Beschwerde legitimiert.

BGE 141 II 161 S. 164

2.1 Nach Art. 89 Abs. 1 BGG ist zur Beschwerde in öffentlich-rechtlichen
Angelegenheiten berechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen
hat oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat, durch den angefochtenen
Entscheid besonders berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen
Aufhebung oder Änderung hat. Diese Regelung ist in erster Linie auf
Privatpersonen zugeschnitten, doch kann sich auch das Gemeinwesen darauf
stützen, falls es
durch einen angefochtenen Entscheid gleich oder ähnlich wie ein Privater oder
aber in spezifischer, schutzwürdiger Weise in der Wahrnehmung einer
hoheitlichen Aufgabe betroffen wird, namentlich wenn einem Entscheid
präjudizielle Bedeutung für die öffentliche Aufgabenerfüllung zukommt. Die
Beschwerdebefugnis zur Durchsetzung hoheitlicher Anliegen setzt eine
erhebliche Betroffenheit in wichtigen öffentlichen Interessen voraus. Das
allgemeine Interesse an der richtigen Rechtsanwendung begründet keine
Beschwerdebefugnis im Sinne dieser Regelung. Gestützt auf die allgemeine
Legitimationsklausel
von Art. 89 Abs. 1 BGG sind Gemeinwesen nur restriktiv zur Beschwerdeführung
zuzulassen (kürzlich bestätigt im Urteil 8C_918/2014 vom 27. Januar 2015, E.
3.2.2.1, vgl. BGE 140 V 328 E. 4.1 S. 329 f.; BGE 138 II 506 E. 2.1.1 S. 508
f. mit Übersicht über die Rechtsprechung). Insbesondere ist die im
Rechtsmittelverfahren unterlegene Vorinstanz
nicht berechtigt, gegen den sie desavouierenden Entscheid an das Bundesgericht
zu gelangen (BGE 140 V 321 E. 2.1.1 S.
323 mit Hinweisen).

2.2 Besondere Zurückhaltung ist geboten, wenn sich Organe desselben
Gemeinwesens gegenüberstehen, namentlich die kantonalen Exekutivbehörden und
das kantonale Verwaltungsgericht: Der Vorschlag des Bundesrats, die
Kantonsregierungen in gewissen Fällen zur Anfechtung der Entscheide kantonaler
Gerichte zu berechtigen, wurde in den Räten gestrichen (s. zur
Entstehungsgeschichte BGE 140 V 328 E. 5.2 S. 331 f.; Urteil 8C_1025/2009 vom
19. August 2010 E. 3.3.4.1; MICHAEL PFLÜGER, Die Legitimation des Gemeinwesens
zur
Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten, 2013, S. 203 ff.).
Entscheidend für diese Streichung des Beschwerderechts war dabei der Wille des
Gesetzgebers, dass Streitigkeiten zwischen der obersten Exekutivbehörde und
der obersten Justizbehörde eines Kantons nicht vom Bundesgericht entschieden
werden sollen (PFLÜGER, a.a.O., S. 205). Eine kantonale Exekutive, deren
Verfügung von der kantonal letztinstanzlichen Justizbehörde aufgehoben wurde,
ist

BGE 141 II 161 S. 165

daher grundsätzlich nicht befugt, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen
Angelegenheiten zur Wiederherstellung ihrer Verfügung zu führen, erst recht
dann nicht, wenn es um die Auslegung und Anwendung von kantonalem Recht geht
(BGE 136 II 383 E. 2.5 und 2.6 S. 387 f.; BGE 136 V 346 E. 3.5 S. 350; BGE 134
V 53
E. 2.3.3 S. 58 ff.; Urteil 8C_1025/2009 vom 19. August 2010 E. 3.3.4.2
und 3.4; PFLÜGER, a.a.O., S. 136 f., 146 f., 162 f. und 205
ff.).

2.3 Geht es um Entscheide mit finanziellen Auswirkungen, hat die
Rechtsprechung zwar in verschiedenen Konstellationen die Legitimation von
Kanton oder Gemeinde bejaht (vgl. Hinweise in BGE 138 II 506 E. 2.1.2 S. 509
f.). Doch ist die Legitimation nicht schon dann zu bejahen, wenn ein Entscheid
Auswirkungen auf das Vermögen des
Gemeinwesens hat: Zur Begründung des allgemeinen Beschwerderechts genügt nicht
jedes beliebige, mit der Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe direkt oder
indirekt verbundene finanzielle Interesse des Gemeinwesens (BGE 136 II 274 E.
4.2 S. 279, BGE 136 II 383 E. 2.4 S. 387; BGE 134 II 45 E. 2.2.1 S. 47 mit
Hinweisen). So wurde die Legitimation des Gemeinwesens etwa verneint in seiner
Eigenschaft als Schuldner von
Entschädigungen nach Opferhilfegesetz (BGE 123 II 425 E. 4 S. 429 ff.), im
Falle der Festlegung des Steuerwohnsitzes
(BGE 136 II 274 E. 4.3 S. 280), aufgrund der Befürchtung, als Folge eines
Entscheids haftpflichtig zu werden
(BGE 133 II 400 E. 2.4.2 S. 407) oder der Tangierung des Kantons als Schuldner
von (kantonalrechtlichen)
Ergänzungsleistungen (BGE 134 V 53 E. 2.3.3 S. 58 f.). Auch eine Gemeinde kann
sich nicht auf Art.
89 Abs. 1 BGG berufen, wenn sie die willkürliche Anwendung von kantonalen und
kommunalen Bestimmungen über Beihilfen und Gemeindezuschüsse durch das
kantonale Gericht rügt (Urteil 8C_918/2014 vom 27. Januar 2015 E. 3.2.2.2).
Ebenfalls nicht legitimiert ist das Gemeinwesen, wenn ihm in
Beschwerdeentscheiden gegen seine Verfügungen Verfahrens- oder Parteikosten
auferlegt werden (BGE 134 II 45 E. 2.2.2 S. 47 f.; BGE 133 II 400 E. 2.4.2 S.
407; Urteil 1C_79/2011 vom 10. März 2011 E. 1.4, in: JdT 2011 I S. 39).
Verneint wurde die Legitimation auch in
einem Fall, in welchem der Kanton die Erbschaftssteuer für Nachkommen
abgeschafft hatte und die Auslegung der übergangsrechtlichen Regelung streitig
war; der Kanton hatte mit der Abschaffung der Steuer dargetan, dass es für ihn
nicht mehr um einen wichtigen Regelungsbereich ging, dies obwohl ein
Steueraufkommen von insgesamt rund 30 Mio. Franken auf dem Spiel stand (BGE
136 II 383 E. 2.5 S. 387).

BGE 141 II 161 S. 166

Bejaht wird die Legitimation in Konstellationen, in denen es um finanzielle
Leistungen aus Rechtsverhältnissen geht, die zwar öffentlich-rechtlich
geregelt sind, aber Analogien haben zu entsprechenden privatrechtlichen
Instituten wie etwa das öffentliche Dienstrecht, das Staatshaftungsrecht oder
das Enteignungsrecht. Im Übrigen ist das Gemeinwesen in seinen fiskalischen
Interessen aber grundsätzlich nicht wie ein Privater betroffen, sondern in
seiner Eigenschaft als Hoheitsträger (BGE 138 II 506 E. 2.3 S. 511 f.; BGE 136
II 274
E. 4.2 S. 279; BGE 135 II 156 E. 3.3 S. 160). Die Fälle, in denen
diesbezüglich die Legitimation bejaht wurde, betreffen in der Regel
Konstellationen, in
welchen es um einen Konflikt zwischen verschiedenen Gemeinwesen geht, die
einander nicht hoheitlich gegenüberstehen oder in denen ein Gemeinwesen
Adressat einer von einem anderen Gemeinwesen getroffenen Verfügung ist,
namentlich bei Streitigkeiten zwischen Kanton und Gemeinde oder zwischen
Gemeinden unter sich (Hinweise in BGE 138 II 506 E. 2.1.2 S. 509 f.). Auch
dann ist eine Gemeinde gegen einen kantonalen Entscheid, der ihr finanzielle
Lasten auferlegt, nach
Art. 89 Abs. 1 BGG nur zur Beschwerde legitimiert, wenn sie in qualifzierter
Weise in zentralen hoheitlichen Interessen berührt ist (BGE 140 I 90 E. 1.2.2
S. 93 f.). Eine solche Betroffenheit wird in der Regel bejaht in Bezug auf
Leistungen der Sozialhilfe (BGE 140 V 328 E. 6 S. 333 ff.) sowie den
interkommunalen Finanzausgleich und ähnliche Regelungen (BGE 140 I 90 E. 1.2.2
S. 93 f.; BGE 135 I 43 E. 1.3 S. 47; BGE 135 II 156 E. 3.3 S. 160) und im
Übrigen dann, wenn die streitigen finanziellen Leistungen eine beträchtliche
Höhe erreichen und die
Beantwortung der Streitfrage eine über den Einzelfall hinausgehende
präjudizielle Wirkung für die öffentliche Aufgabenerfüllung mit insgesamt
wesentlicher finanzieller Belastung hat (Urteil 2C_949/2013 vom 24. März 2014
E. 2.2.2 [bejaht bez. kommunale Beiträge an kantonale Schulen]), nicht aber
dann, wenn es bloss um eine einzelfallbezogene Beurteilung ohne
Grundsatzfragen geht (BGE 140 I 90 E. 1.2.6 S. 95 [kommunaler Kostenanteil an
einer Busverbindung]). Verneint wird die Legitimation, wenn es einzig um die
finanziellen
Folgen der Verwaltungstätigkeit geht, welche das Gemeinwesen in seiner
Stellung als hoheitlich verfügende Behörde treffen (BGE 138 II 506 E. 2.3 S.
511 f.; Urteile 1C_670/2013 vom 10. Februar 2014 E. 4.2; 1C_220/2009 vom 26.
April 2010 E. 2.2.2, nicht publ. in:
BGE 136 II 204; 1C_79/2011 vom 10. März 2011 E. 1.4, in: JdT 2011 I S. 39). In
solchen Fällen deckt sich das
finanzielle Interesse des

BGE 141 II 161 S. 167

Gemeinwesens mit der Frage der richtigen Rechtsanwendung, was zur Legitimation
nicht genügt, auch dann nicht, wenn der angefochtene Entscheid
Präzedenzwirkung für weitere Fälle mit Auswirkungen auf die Kantonsfinanzen
hat (BGE 138 II 506 E. 2.4 S. 512; BGE 134 II 45 E. 2.2.1 S. 46 f.).

2.4 Vorliegend wehrt sich der Kanton gegen ein Urteil seines eigenen
Verwaltungsgerichts, welches in Auslegung des kantonalen Rechts zu einem
Ergebnis gekommen ist, welches von der Rechtsauffassung der Exekutivbehörden
abweicht. Der Streitwert beträgt Fr. 5'700.-. Der Beschwerdeführer bringt
jedoch vor, die rechtliche Betrachtung der Vorinstanz habe zur Folge, dass bei
einem beträchtlichen Teil von Personen in Ausbildung entgegen der bisherigen
Praxis keine Elternbeiträge mehr
angerechnet werden dürften, was Mehrkosten von jährlich rund 3,8 Mio. Franken
zur Folge habe. Im Rahmen einer Maximalprognose müsste sogar mit
Mehraufwendungen von nahezu 37 Mio. Franken pro Jahr gerechnet werden.
Damit ist - anders als in den in BGE 138 II 506 E. 2.1.1 zitierten Entscheiden
- nicht
ersichtlich, inwiefern es hier um über das rein Finanzielle hinausgehende
Interessen an der öffentlichen Aufgabenerfüllung gehen könnte. Dass das
angefochtene Urteil einen zentralen Aspekt des Stipendienwesens beträfe und
dessen System als Ganzes selber in Frage stellen würde (vgl. betreffend den
Finanzausgleich BGE 140 I 90 E. 1.2.2 S. 93 f. mit Hinweisen), ist mit dieser
Argumentation jedenfalls nicht dargetan. Sowohl im konkreten Fall als auch in
Bezug
auf die Präzedenzwirkung des angefochtenen Urteils geht es vorliegend vielmehr
einzig um die Auswirkungen auf die Kantonsfinanzen.
In dieser Konstellation ist nach dem Gesagten die Legitimation des Kantons zu
verneinen. Es verhält sich anders als in den vom Beschwerdeführer zitierten
Entscheiden (BGE 135 II 156; BGE 136 V 346), in denen sich Gemeinden wehren
konnten gegen kantonale Entscheide über die Aufgaben- und Kostenverteilung
zwischen Kanton und
Gemeinden oder die Kostentragung von Gemeinden. Der Kanton wehrt sich hier
nicht gegen einen Entscheid, mit dem ihm eine hierarchisch höher stehende
Körperschaft eine finanzielle Belastung direkt auferlegt (vgl. BGE 140 I 90 E.
1.2.3 und 1.2.4 S. 94), sondern es bleibt bei einer Organstreitigkeit zwischen
der kantonalen Exekutive und der kantonalen
Judikative, für deren Beurteilung durch das Bundesgericht die vorne genannten
Voraussetzungen

BGE 141 II 161 S. 168

fehlen. Damit ist es Sache des Kantons, den Konflikt selber zu schlichten
(vgl. PFLÜGER, a.a.O., S. 204), beispielsweise auf dem Wege einer
Gesetzesrevision.
Entscheidinformationen   •   DEFRITEN
Entscheid : 141 II 161
Datum : 21. Februar 2015
Publiziert : 10. Juli 2015
Gericht : Bundesgericht
Status : 141 II 161
Sachgebiet : BGE - Verwaltungsrecht und internationales öffentliches Recht
Regeste : Die Beschwerdebefugnis des Gemeinwesens nach Art. 89 Abs. 1 BGG. Gestützt auf die allgemeine...


Stichwortregister
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legitimation • gemeinde • beschwerde in öffentlich-rechtlichen angelegenheiten • bundesgericht • finanzielles interesse • vorinstanz • exekutive • eigenschaft • rechtsanwendung • frage • treffen • einspracheentscheid • kantonales recht • legitimationsklausel • schuldner • finanzausgleich • richtigkeit • entscheid • privatperson • stelle
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BGE Register
123-II-425 • 133-II-400 • 134-II-45 • 134-V-53 • 135-I-43 • 135-II-156 • 136-II-204 • 136-II-274 • 136-II-383 • 136-V-346 • 138-II-506 • 140-I-90 • 140-V-321 • 140-V-328 • 141-II-161
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Gesetzesregister
BGG: 89