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BGE-70-IV-212 - 1944-01-01 - BGE - Strafrecht und Strafvollzug - Art. 252 Ziff. 1 StGB gilt nur, wenn der Täter durch die Ausweisschrift, das Zeugnis oder die...
S. 212 / Nr. 57 Strafgesetzbuch (d)

BGE 70 IV 212

57. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 22. Dezember 1944 i.S. Frey
gegen Generalprokurator des Kantons Bern.


Seite: 212
Regeste:
Art. 252 Ziff. 1
SR 311.0 StGB Schweizerisches Strafgesetzbuch vom 21. Dezember 1937

Art. 252 [1]  
  Wer in der Absicht, sich oder einem andern das Fortkommen zu erleichtern,Ausweisschriften, Zeugnisse, Bescheinigungen fälscht oder verfälscht,eine Schrift dieser Art zur Täuschung gebraucht,echte, nicht für ihn bestimmte Schriften dieser Art zur Täuschung missbraucht,wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.
 
[1] Fassung gemäss Ziff. I des BG vom 17. Juni 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1995 (AS 1994 2290; BBl 1991 II 969).
StGB gilt nur, wenn der Täter durch die Ausweisschrift, das
Zeugnis oder die Bescheinigung unmittelbar das Fortkommen der Person, sei es
seiner selbst, sei es eines Dritten erleichtern will.
L'art. 252 ch. 1 CP ne s'applique que lorsque l'auteur cherche par la pièce de
légitimation, le certificatou l'attestation, à améliorer directement sa
situation personnelle ou la situation personnelle d'autrui.
L'art. 252 cp. 1 CP non si applica che allorquando l'autore intenda
conseguire, con le carte di legittimazione, i certificati o gli attestati
contrafatti, un miglioramento immediato della propria condizione personale o
di quella di un terzo.

Aus dem Tatbestand:
Hans Frey legte dem Berthold Signer gefälschte Atteste der Eidgenössischen
Materialprüfungs-Anstalt über das Erzeugnis «Cementin» vor und bewog ihn,
zwecks Herstellung und Vertriebs dieses Erzeugnisses mit ihm eine
Kollektivgesellschaft einzugehen. Diese verwendete die gefälschten Atteste als
Werbemittel. Das Obergericht des Kantons Bern verurteilte Frey in Anwendung
von Art. 251 Ziff. 1
SR 311.0 StGB Schweizerisches Strafgesetzbuch vom 21. Dezember 1937

Art. 251 [1]  
  1.   Wer in der Absicht, jemanden am Vermögen oder an andern Rechten zu schädigen oder sich oder einem andern einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen,eine Urkunde fälscht oder verfälscht, die echte Unterschrift oder das echte Handzeichen eines andern zur Herstellung einer unechten Urkunde benützt oder eine rechtlich erhebliche Tatsache unrichtig beurkundet oder beurkunden lässt,eine Urkunde dieser Art zur Täuschung gebraucht,wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft.
  2.   ... [2]
 
[1] Fassung gemäss Ziff. I des BG vom 17. Juni 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1995 (AS 1994 2290; BBl 1991 II 969).
[2] Aufgehoben durch Ziff. I 1 des BG vom 17. Dez. 2021 über die Harmonisierung der Strafrahmen, mit Wirkung seit 1. Juli 2023 (AS 2023 259; BBl 2018 2827).
StGB wegen Gebrauchs gefälschter Urkunden. Mit der gegen
dieses Urteil gerichteten Nichtigkeitsbeschwerde machte Frey subsidiär
geltend, er sei für den Gebrauch der falschen Atteste nur nach Art. 252 Ziff.
1
SR 311.0 StGB Schweizerisches Strafgesetzbuch vom 21. Dezember 1937

Art. 252 [1]  
  Wer in der Absicht, sich oder einem andern das Fortkommen zu erleichtern,Ausweisschriften, Zeugnisse, Bescheinigungen fälscht oder verfälscht,eine Schrift dieser Art zur Täuschung gebraucht,echte, nicht für ihn bestimmte Schriften dieser Art zur Täuschung missbraucht,wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.
 
[1] Fassung gemäss Ziff. I des BG vom 17. Juni 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1995 (AS 1994 2290; BBl 1991 II 969).
StGB zu bestrafen.
Aus den Erwägungen:
Nach Art. 252 Ziff. 1
SR 311.0 StGB Schweizerisches Strafgesetzbuch vom 21. Dezember 1937

Art. 252 [1]  
  Wer in der Absicht, sich oder einem andern das Fortkommen zu erleichtern,Ausweisschriften, Zeugnisse, Bescheinigungen fälscht oder verfälscht,eine Schrift dieser Art zur Täuschung gebraucht,echte, nicht für ihn bestimmte Schriften dieser Art zur Täuschung missbraucht,wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.
 
[1] Fassung gemäss Ziff. I des BG vom 17. Juni 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1995 (AS 1994 2290; BBl 1991 II 969).
StGB macht sich unter anderem strafbar, wer in der
Absicht, sich oder einem andern das Fortkommen zu erleichtern (d'améliorer sa
situation ou celle d'autrui), Ausweisschriften, Zeugnisse oder Bescheinigungen
fälscht oder verfälscht oder eine von einem Dritten hergestellte Schrift
dieser Art zur Täuschung missbraucht. Diese Bestimmung übernimmt durch eine
allgemein gehaltene Wendung das Recht verschiedener früherer kantonaler
Gesetze, welche in Anlehnung an das

Seite: 213
französische Recht in kasuistischer Form für die Fälschung von Pässen,
Leumundszeugnissen, Heimatscheinen, Niederlassungsbewilligungen,
Arztzeugnissen und dergleichen Sondernormen enthielten (z.B. Strafgesetzbücher
von Zürich § 103 lit. b, Bern Art. 111, Tessin Art. 222-230). Sie gilt nur
dann, wenn der Täter durch die Ausweisschrift, das Zeugnis oder die
Bescheinigung unmittelbar das Fortkommen der Person, sei es seiner selbst, sei
es eines Dritten, erleichtern will. Diese Voraussetzung ist nicht erfüllt,
wenn die gefälschte oder verfälschte Schrift, wie hier, dazu dienen soll, eine
Ware leichter abzusetzen, dem Täter oder einem Dritten also Einnahmen zu
verschaffen. Wenn dadurch zugleich das Fortkommen der Person erleichtert wird
- was in der Regel nicht einmal in der Absicht des Täters liegt - so geschieht
es nur mittelbar. Im Vordergrund steht der unmittelbare Zweck der Verschaffung
geschäftlicher Vorteile; das führt zur Anwendung des Art. 251
SR 311.0 StGB Schweizerisches Strafgesetzbuch vom 21. Dezember 1937

Art. 251 [1]  
  1.   Wer in der Absicht, jemanden am Vermögen oder an andern Rechten zu schädigen oder sich oder einem andern einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen,eine Urkunde fälscht oder verfälscht, die echte Unterschrift oder das echte Handzeichen eines andern zur Herstellung einer unechten Urkunde benützt oder eine rechtlich erhebliche Tatsache unrichtig beurkundet oder beurkunden lässt,eine Urkunde dieser Art zur Täuschung gebraucht,wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft.
  2.   ... [2]
 
[1] Fassung gemäss Ziff. I des BG vom 17. Juni 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1995 (AS 1994 2290; BBl 1991 II 969).
[2] Aufgehoben durch Ziff. I 1 des BG vom 17. Dez. 2021 über die Harmonisierung der Strafrahmen, mit Wirkung seit 1. Juli 2023 (AS 2023 259; BBl 2018 2827).
StGB.
70 IV 212 01. Januar 1944 22. Dezember 1944 Bundesgericht 70 IV 212 BGE - Strafrecht und Strafvollzug

Gegenstand Art. 252 Ziff. 1 StGB gilt nur, wenn der Täter durch die Ausweisschrift, das Zeugnis oder die...

Gesetzesregister
StGB 251
SR 311.0 StGB Schweizerisches Strafgesetzbuch vom 21. Dezember 1937

Art. 251 [1]  
  1.   Wer in der Absicht, jemanden am Vermögen oder an andern Rechten zu schädigen oder sich oder einem andern einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen,eine Urkunde fälscht oder verfälscht, die echte Unterschrift oder das echte Handzeichen eines andern zur Herstellung einer unechten Urkunde benützt oder eine rechtlich erhebliche Tatsache unrichtig beurkundet oder beurkunden lässt,eine Urkunde dieser Art zur Täuschung gebraucht,wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft.
  2.   ... [2]
 
[1] Fassung gemäss Ziff. I des BG vom 17. Juni 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1995 (AS 1994 2290; BBl 1991 II 969).
[2] Aufgehoben durch Ziff. I 1 des BG vom 17. Dez. 2021 über die Harmonisierung der Strafrahmen, mit Wirkung seit 1. Juli 2023 (AS 2023 259; BBl 2018 2827).
StGB 252
SR 311.0 StGB Schweizerisches Strafgesetzbuch vom 21. Dezember 1937

Art. 252 [1]  
  Wer in der Absicht, sich oder einem andern das Fortkommen zu erleichtern,Ausweisschriften, Zeugnisse, Bescheinigungen fälscht oder verfälscht,eine Schrift dieser Art zur Täuschung gebraucht,echte, nicht für ihn bestimmte Schriften dieser Art zur Täuschung missbraucht,wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.
 
[1] Fassung gemäss Ziff. I des BG vom 17. Juni 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1995 (AS 1994 2290; BBl 1991 II 969).
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